Buchbesprechung

 

Veröffentlichungen zur badischen Kirchen- und Religionsgeschichte, Band 8,

hrsg. im Auftr. des Vorstands des Vereins für Kirchengeschichte … in Baden,

Stuttgart 2018, 149 S., 14 Abb., kart. – ISBN 978-3-17-035007-624,00 Euro

Anvertrautes – dieser sprechende Titel steht über einer Art Autobiographie in Form von Gesprächen mit dem badischen Theologen und ehemaligen Landesbischof Klaus Engelhardt (geb. 1932). Die beiden Herausgeber, promovierte badische Theologen im Pfarrdienst mit Lehraufträgen für Kirchengeschichte, haben an sechs Gesprächsterminen 2016/2017 mit meist kundigen Fragen den Ruheständler zur Schilderung seines vielfältigen Lebens- und Berufsweges gebracht. Durch die Art der Befragung wurde natürlich die Darstellung und die Auswahl ihrer Themen gesteuert. (Oft ist nicht klar, welcher der beiden Herausgeber fragt, wenn er von „ich“ spricht.)

 

Klaus Engelhardt stammt aus dem Pfarrhaus in Schillingstadt im nordöstlichen Baden, ging in Heidelberg aufs Gymnasium, studierte Theologie in Göttingen, Basel und Heidelberg und promovierte in Heidelberg in Patristik. Er war Studentenpfarrer in Karlsruhe, dann Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg. Von 1980 bis zu seinem Ruhestand 1998 war Engelhardt Landesbischof der badischen Landeskirche und von 1991 bis 1997 zugleich Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutsch-land.

 

Engelhardt, der 2017 im Mai 85 Jahre alt geworden war – wovon im Buch nirgendwo die Rede ist ‒ , mehr als eine Generation älter als die Interviewpartner, vermittelt dem Leser einen Interessanten Rückblick nicht nur auf sein eigenes, an anvertrauten Ämtern reiches Leben, sondern für die Jahrzehnte bis 1997/98 ebenso einen Blick auf die Universitäts-geschichte der Theologie dieser Zeit und mehr noch auf die badische Landeskirchenge-schichte und auf das gesamtdeutsche kirchliche Geschehen vor und nach der Wiederver-einigung von 1989/90. Dabei ist erkennbar, dass die beiden Herausgeber mit dem Innen-leben der Kirchenleitung in all den Jahren weniger vertraut waren; sonst wären solche Wegbegleiter Engelhardts wie Günther Wendt (1919‒2004) oder auch Hermann Erbacher (1909‒1999) nicht unerwähnt geblieben. Eine dürftige Zeittafel und ein hilfreiches Namens-register von vier Seiten (dies nicht einmal vollständig) schließen das – leider auf schlech-tem, zu dünnem Papier gedruckte – Buch ab. Erläuternde Fußnoten und Literaturhinweise wurden von den Herausgebern leider nur spärlich und beliebig beigegeben, Querverwei-sungen auf die schon erschienenen oder demnächst vom badischen Verein für Kirchenge-schichte veröffentlichten Lebensbilder wären bei 19 Persönlichkeiten zum Beispiel nützlich gewesen. Wie bei jedem Buch, so finden sich auch hier kleine Fehler; peinlich ist es, wenn Namen noch lebender Personen der Landeskirche falsch geschrieben werden.

 

Bewunderungswürdig ist Engelhardts Erinnerungsvermögen; dadurch wird für die Nachwelt die Sicht auf die evangelische Kirche während einer langen Zeit lebendig erhalten. In dieser war Engelhardt immer ein überzeugender Zeuge der Menschlichkeit Gottes.

 

                                                                                                       G.S., Januar 2019

 

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Anvertrautes

Autobiographie Klaus Engelhardt

 

 

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Hinweis:

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Der Prediger tritt hinter seiner Botschaft zurück, seine nach

oben weisende Hand verbirgt

sein Gesicht.

 

G.S. als Pastor auf der Kanzel der

St.-Florians-Kirche aus dem

13. Jahrhundert in Sillenstede (Nordoldenburg), ca. 1965

Der Vortragende hat seine Zuhörer im Blick

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© Gerhard Schwinge