Buchbesprechung

 

 

 

versöhnend ‒ Konradsblatt‒Sonderheft zur ÖRK‒Vollversammlung

versöhnend ‒ Die Weltkirche zu Gast in Karlsruhe. konradsblatt ‒ ekiba intern ‒ ISBN 378‒3‒7617‒0005‒1. Chefredakteur: Klaus Gaßner. In Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Freiburg, der EKD und der badischen Landeskirche. Karlsruhe: Badenia Verlag Sommer 2022, 98 S., zahlr. Abb., 4° (Konradsblatt, Wochenzeitung für das Erzbistum Freiburg, Sonderheft zur ÖRK‒Vollversammlung), kart. 4,90 Euro

 

Der Titel des Hefts ist dem Motto der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen vom 31. August bis 8. September 2022 in Karlsruhe entnommen:

Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt.

In diesen Tagen kommen etwa 5000 Delegierte aus über 350 Mitgliedskirchen nach Karlsruhe, um sich im Kongress-zentrum wie auch zu vielen Begleitveranstaltungen in verschiedenen Kirchen der Stadt zu versammeln.

Die hier vorgestellte Broschüre will wie ein Magazin den Gästen aus aller Welt Stadt und Region Karlsruhe vorstel-len. (Gleichwohl ist die Sprache des Magazins ausschließlich Deutsch.) Dazu veröffentlicht sie zahlreiche, reich bebilderte Beiträge, auf die einzeln einzugehen, hier nicht möglich ist (auch nicht auf mancherlei Fehler und Verse-hen; die beiden wichtigsten Mängel befinden sich auf dem sowieso überladenen Cover: keine Datumsangabe zur ÖRK‒Versammlung und eine falsche ISBN. Eine gründliche Endkorrektur hätte dem Heft gutgetan). Werbeanzeigen nicht nur kirchlicher Anbieter sind an vielen Stellen eingefügt. Überraschende Beiträge sind anscheinend der Hoff-nung auf eine außerkirchliche Leserschaft gezollt, so u. a. über das ZKM in Karlsruhe (S. 38‒41) und über den Europa‒Park in Rust (S. 86 f.) und über die sich extrem gebenden Künstler Markus Lüpertz (S. 94‒96) und Harald Glööckler (S. 78 f.). Doch auch die Repräsentanten des Staats und der Kirche kommen zu Wort, mit mehr oder weniger treffenden Äußerungen: der Oberbürgermeister Karlsruhes Frank Mentrup (SPD), der Ministerpräsident von Baden‒Württemberg Winfried Kretschmann (Grüne, kath.), der Bundespolitiker Wolfgang Schäuble (CDU, ev). Der Bundespräsident Franz‒Walter Steinmeier (SPD, ev.) spricht zur Eröffnung der Vollversammlung im Kongresszen-trum. Schließlich äußern sich die Repräsentanten beider großen Kirchen: der Vorsitzende der kath. Bischofskonfe-renz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, und die Ratsvorsitzende der EKD Annette Kurschus sowie der Erz-bischof von Freiburg Stephan Burger und die badische Landesbischöfin Heike Springhart.

Kurze Statements von 15 repräsentativen Vertretern verschiedener Weltkirchen ‒ darunter eine Bischöfin ‒ grüßen umgekehrt die Leser (S. 5 ff.). Vollversammlungen des World Council of Churches finden seit der Gründung des Weltkirchenrats im Jahr 1948 alle sieben Jahre in einem anderen Mitgliedsland statt, diese 11. Vollversammlung ist die erste in Deutschland. (Aufzählung S. 44‒51)

Bei der Wahl Karlsruhes und der Region spielte die Geschichte und die Lage Badens mehrfach eine Rolle: Mit der Stadtgründung 1715 wurde den aus aller Welt kommenden Neubürgern ausdrücklich das Privileg der Religionsfrei-heit gewährt. (S. 6 f.) Um 1700 war die lutherische Markgrafschaft Baden für zahlreiche reformierte Glaubensflücht-linge aus anderen Ländern, vor allem Waldenser, Zufluchtsland und neue Heimat. (S. 64 f.)

Im 1948 gegründeten Ökumenischen Rat der Kirchen ist die Römisch-katholische Kirche kein Mitglied, weil sie sich selbst als Weltkirche versteht. Gleichwohl ist in Baden die Zusammenarbeit der badischen Landeskirche und des Bistums Freiburg seit vielen Jahren sehr eng.

(nicht im Heft)

 

Darum heißt es. „In Baden gehen die Uhren anders“. (S. 20‒23) ‒ eben weil die beiden Kirchen ihr Miteinander als eine „badische Ökumene“ praktizieren. Das geschieht vor allem etwa seit der Jahrtausendwende, als Landesbischof Ulrich Fischer im Amt war und das Zusammenwirken mit dem gleichzeitig amtierenden Erzbischof Robert Zollitsch suchte.

Eine weitere Rolle für die Wahl Karlsruhe spielte die Nähe Badens zum französischen Elsass‒Lothringen, nur getrennt durch den Rhein, der auch kirchlich seit Jahrzehnten überbrückt wird. (S. 90‒93)

(nicht im Heft)

 

Dass ein Feind nicht ewig ein Feind bleiben muss, zeigt die Geschichte der deutsch-französischen Versöhnung. Ob in Familien, Schulen oder zwischen Städten ‒ statt Misstrauen herrscht zwischen den ehemaligen "Erzfeinden" inzwischen ein Geist des Respekts und der Partnerschaft. Dieser gemeinsame Versöhnungsweg steuert nun auf einen neuen Höhepunkt zu: die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe.

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© Gerhard Schwinge