Dezember 2017:

 

Luther – und (k)ein Ende

 

Was bleibt vom Lutherjahr 2017?

 

 

Keiner wollte 2017 abseits stehen. Es „lutherte“ überall, sogar schon vorher eine ganze Dekade lang, zum Ende hin sich immer mehr steigernd. Aber was ist angemessene Erinnerungskultur für solche kirchlichen Säkularfeiern?

Das 300jährige Reformationsjubiläum 1817 stand vielerorts im Zeichen der Forderung nach einer Vereinigung der lutherischen und der reformierten Konfession. Unionskirchen entstanden nach und nach in verschiedenen der damaligen Länder, so 1817 in Nassau und in Preußen, 1820 in der Pfalz und in Anhalt, 1821 in Baden.

Die Jubiläen 1883, 400 Jahre nach Luthers Geburt, und 1897, 400 Jahre nach der Geburt Philipp Melanchthons, wurden dem Geist der Zeit entsprechend vor allem historistisch begangen: mit Festveranstaltungen, Buchveröffentlichungen und vor allem Reformati-onsdenkmälern in Wittenberg und in Bretten und in vielen anderen Reformationsstädten.

2017 nun: Luther-Instrumentalisierung in Marketing und Kommerz – bis hin zum Banalen:

Luther-Bier, Luther-Comics, Luther als Playmobil, Luther als Plastikzwerg achthundertfach in den grellen Farben, Rot, Grün, Blau, Schwarz, aufgestellt auf dem Wittenberger Marktplatz. (1817 gab es allerdings auch schon Luther-Porzellan und Luthertassen mit Luther-Konterfei.)

 

Pressemeldungen, schon vor Ablauf des Jubiläumsjahres beginnend

(Viele Ausstellungen und Veranstaltungen dauerten bis in den November hinein.)

epd vom 1. August 2017: Der Segensroboter "BlessU-2" auf der Wittenberger Weltausstellung zur Reformation hat bereits knapp 6.000 Besucher in sieben verschiedenen Sprachen geseg-net. Am meisten gewünscht wurden rund 4.000 deutschsprachige Segen, mehr als 800 in hessischem Dialekt, rund 500 englische und 125 spanische, teilte die hessen-nassauische Kirche am Mittwoch in Darmstadt mit.

epd. vom 21. Oktober 2017. In seiner letzten Sitzung vor dem Reformationstag (31. Oktober) hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine positive Bilanz der Feiern zum 500. Jubiläum von Martin Luthers Thesenanschlag gezogen. Das Reformationsjubiläum habe eine "beeindruckende öffentliche Präsenz entfaltet", heißt es in einer Erklärung der EKD. Bund, Länder, Kommunen, Zivilgesellschaft und Kirchen hätten Impulse der Reformation aufgenommen und aktualisiert. Unterstrichen wird zudem das Bemühen, das Jubiläum ökumenisch und international zu begehen.

Aber dann auch: ZDF Morgenmagazin vom 27. Oktober 2017

Reformation: Bilanz des Jubiläumsjahres

Wie steht es um Anspruch und Wirklichkeit des Reformationsjahrs? Wenig Besucher, wenig Debatten und kaum Fortschritte bei der Ökumene. Die Evangelische Kirche befindet sich im Richtungsstreit.

DER SONNTAG / Badische Neueste Nachrichten vom 29. Oktober 2017

Ein positives Fazit des Reformationsjubiläumsjahres haben die Bischöfe der Evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg, Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) und Frank Otfried July (Stuttgart) … gezogen. Das Reformationsjubiläum mit seinen mehreren tausend Veranstaltungen geht am Reformationstag (31. Oktober) zu Ende. Beide Landeskirchen haben das Jubiläumsjahr zu 500 Jahre Reformation unter das Motto „… da ist Freiheit“ gestellt. Cornelius-Bundschuh würdigte das umfangreiche Engagement der haupt- und ehrenamtlich Tätigen in der Kirche, „mit der die Bedeutung des reformatorischen Aufbruchs nicht nur für die Kirche, sondern für das öffentliche Leben und die Kultur in unserm Land deutlich gemacht wurde“.

 

Ja, wenn’s kein anderer tut, muss man sich eben selbst auf die Schulter klopfen.

Ökumene im Lutherjahr

Peter Hahne in der BamS (Bild am Sonntag) vom 29. Oktober 2017:

„Zur Redaktionsfrage im TV-Sender: Brauchen unsere Kirchen eine Wiedervereinigung?

Fragt eine Kollegin: Warum machen wir denn Luther in der nächsten Sendung? Ich: Wegen des Feiertages! Sie: Stimmt, wir haben ja Halloween! - Mit wem soll sich denn eine solche Kirche vereinigen, die es noch nicht mal im Luther-Jahr hinkriegt, ihren Markenkern rüberzubringen? Da sind beide Päpste ja lutherischer als Luthers Erben. Sie bewahren Bibel und Bekenntnis, Taufe und Traditionen. Selbst der Grüne Volker Beck merkt an, ob es noch einen Unterschied zwischen der grünen Partei und der evangelischen Kirche gibt, so allgemein seien deren Botschaften … Und Heiner Geißler beklagt in seinem letzten Manuskript vor seinem Tod: Ich habe Jesus im Jubiläumsjahr vermisst. - Wer Lutherchoräle zu Gender-Liedchen umdichtet, aus „Lobe den Herren“ ein „Lobe die Ew´ge“ macht und ähnliche Mätzchen, wird nicht ernst genommen. Wo Luther drauf steht, muss Bibel drin sein, und nicht die paar Brocken, die der Zeitgeist übrig lässt. Alles andere ist Etikettenschwindel. Lieber zwei Kirchen, wie sie historisch gewachsen sind. Wenn die Zeit der Beliebigkeits-Theologie bei meinen Protestanten-Brüdern vorbei ist, gibt’s vielleicht eine zweite Chance. - Denn eins ist klar: gemeinsam wären wir stärker im Wettstreit der Religionen. Aber dazu bedarf es einer Reformation der evangelischen Kirche, bevor der Letzte das Licht ausmacht. In der einstigen Luther-Hochburg Nürnberg ist nur noch jeder Vierte evangelisch!“

(Peter Hahne, Bestseller-Autor und TV-Moderator, war 24 Jahre Mitglied der EKD-Synode.)

Von der Ökumene der Herzen ist geschrieben worden. Ja, es gab die Ökumene der Umarmungen – auf hoher und höchster Ebene.

Aber der Papst kam nicht nach Wittenberg, sondern fuhr nach Lund in Schweden zur Tagung des Lutherischen Weltbunds – warum? Weil das lutherische Kirchen- und Amtsverständnis der römischen am relativ nächsten steht. Trotz dennoch gewisser Unterschiede erlaubte sich der Papst sogar eine Umarmung mit der lutherischen Bischöfin von Schweden.

Ja, auch wenn man es heute meist nicht wahrhaben will: Zwischen Lutheranern, Reformierten und Unierten gibt es durchaus noch Unter-schiede. (Nicht nur bei den Beffchen zum Talar: in zwei Streifen ganz gespalten = lutherisch, ganz zusammengenäht = reformiert, halb zusammengenäht und halb gespalten = uniert.)

Und die Namensbedeutungen der drei Großkirchen: Kat-holiken = die Allumfassenden; Ortho-doxe = die Rechtgläubigen; nur wir werden bezeichnet und bezeichnen uns selbst mit dem Negativbegriff Protestanten (seit der Protestation auf dem Reichstag zu Speyer 1529). Warum wehren wir uns nicht dagegen und nennen uns nur noch Evangelische = die mit dem Eu-angelion, der frohen Botschaft?

Der gemeinsame Besuch des Vorsitzenden der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz und Erzbischofs von München, Kardinal Reinhard Marx, und des Vorsitzenden des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland und Landesbischof der lutherischen Landeskirche Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, in freundschaftlicher Eintracht im Vatikan beim Papst galt manchen als eine „Rückwärts-Ökumene“.

Ökumenische Gottesdienste gab es viele, auf der mittleren und auch der lokalen Ebene, zum Beispiel als Tauferinnerungsgottesdienst. Aber eben nur Wortgottesdienste, keine Sakramentsgottesdienste. Denn das Eucharistie-Verständnis auf römischer Seite stellt immer noch das größte Hindernis für ein gemeinsames Abendmahl dar, größer noch als das Zölibat, trotz des Priestermangels in der katholischen Kirche.

Sollte, wie es diskutiert wird, der 31.Oktober, der Reformationstag, ein bundesweiter gesetzlicher Feiertag werden? Ist das gerechtfertigt? Oder nur als Ergänzung der mehreren katholischen Feiertage?

Zurück zum Lutherjahr

Wenn nun alle Luther-Events (Musicals, Schauspiele) und Ausstellungen vorbei sind – zum Beispiel der „Sinnenpark“ „Luther als Mensch;

wenn alle Geschäfte auf ihre Kosten gekommen sind (oder auch nicht!);

wenn alle Bücher gelesen, alle Filme angeschaut sind;

wenn alle Trittbrettfahrer zufrieden sind;

wenn alle Medien mit ihren Luther-Thematisierungen aufgehört haben;

wenn in der badischen Landeskirche das T-Shirt mit dem unsäglichen Aufdruck Ich bin so frei ausverkauft ist;

oder wenn so mancher auf seinen Angeboten sitzen geblieben ist – ja, was bleibt?

Beachtenswert war eine lange Serie mit 32 Artikeln zur Reformation in Baden in der Karlsruher Tageszeitung Badische Neueste Nachrichten von Februar bis Anfang November (wenn auch nicht alle Beiträge gleich zugänglich waren oder sogar nicht alle thematisch in die Serie hineinpassten).

 

Was also bleibt?

Immerhin, viele, die es nicht wussten, wissen nun,

  • dass Luther eine Gestalt von Weltbedeutung war;
  • dass die Bibel ohne ihn unzugänglicher geblieben wäre;
  • dass seine Bibelübersetzung unsere deutsche Hochsprache geprägt hat.

(500.000 verkaufte Exemplare der neu revidierten Lutherbibel 2017 – wird in ihnen gelesen werden? – Vgl. die kritische Besprechung der Lutherbibel 2017 auf dieser Homepage in der Rubrik Buchbesprechungen)

Und das eigentlich Umwälzende der reformatorischen Erkenntnis Luthers? - allein die Heilige Schrift, allein Jesus Christus, allein die Gnade, allein der Glaube – sola scriptura, solus Christus, sola gratia, sola fide. Und: Ecclesia semper reformanda

- heute noch vermittelbar in einer Zeit zunehmender Entchristlichung und Entfremdung von diesen Alleinvertretungsmerkmalen der evangelischen Kirche?

Aber wenn nicht, vielleicht hilft dann Lutherol:

das Breitband-Theologicum für Geist & Seele

 

Mit 4-fach Wirkformel: Sola Gratia, Sola fide, Solus Christus, Sola Scriptura

 

Aus der Gebrauchsinformation:

 

Zusammensetzung: 2 mal 12 Kapseln mit 90 % Lutherzitaten, 10 % Reform-Aktiv

Lutherol ist vielfältig ökumenisch einsetzbar und kann jederzeit angewendet werden.

Besonders bewährt hat sich Lutherol bei geistiger und theologischer Blutleere.

 

Zur Stärkung des Glaubens sollte Lutherol einmal täglich eingenommen werden. Eine Gefahr der Überdosierung besteht in Zeiten allgemeiner Säkularisierung nicht. Lutherol ist haltbar bis an der Welt Ende.

                                                                                                                                                                    © Claudius Verlag München

Nachträge

Das Reformationsjubiläum 2017 war in der Wahrnehmung und in der Vermarktung eben doch ein Lutherjubiläum und kein Reformationsjubiläum, entgegen dem Wunsch mancher, besonders wissenschaftlicher Theologen.

Der Evangelischen Kirche in Deutschland hat das Jubiläumsjahr statt der veranschlagten 30 Millionen am Ende 42 Millionen Euro gekostet. Dem steht gegenüber, dass 2016 die Kirchensteuereinnahmen der evangelischen Kirche wegen der guten Konjunktur 11,5 Milliarden Euro betragen haben, anderseits die Verluste beider Großkirchen zusammen an Kirchenmitgliedern jedes Jahr mehrere Hunderttausend zählen. (nach DIE ZEIT vom 16.11.2017, S. 72)

                                                                                                                                                                               Gerhard Schwinge

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