Franz Rohde (1864 - 1938)

Liberaler Gemeindepfarrer "moderner Richtung"

 

Franz Rohde, aus Mecklenburg stammend, war, nach verschiedenen voraufgehenden badischen Dienstorten, von 1898 bis 1932, also 34 Jahre lang Pfarrer an der Karlsruher Christuskirche.

 

Zu Rohde vgl. Walter Heinlein: Franz Rohde (1863‒1937), ein „Geistlicher moderner Richtung“. In: 100 Jahre Christuskirche Karlsruhe, 1900 – 2000, Karlsruhe 2000, S. 92‒110 (mit einem farb. Bildnis) u. S. 131f. ‒ Gottfried Gerner-Wolfhard: „Geistreicher Kanzelredner“ und raubautziger Pfaff“. Bildung, Macht u. deren Missbrauch im religiösen Leben. Aus dem Wirken von Franz Rohde (1863‒1937), des ersten Pfarr-Herrn der Karlsruher Christuskirche. In: Blätter für pfälz. Kirchengeschichte u. religiöse Volkskunde, Jg. 79, Speyer 2012, S. 161‒184; ‒ G. Schwinge: Badische Pfarrer und der Erste Weltkrieg. In: Jahrbuch für bad. Kirchen- u. Religionsgeschichte 7.2013, Stuttgart 2013, S. 51‒82, hier: S. 62‒66 (mit Bildnis) – ders.: Zusammenbruch und verlorene Ehre, Reaktionen innerhalb der bad. Kirche auf das Ende des Ersten Weltkriegs. In. Mannheimer Geschichtsblätter 36/2018. 2019, S. 5–25, passim - ders.: Artikel im Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon / BBKL, Bd. 40 (= Erg.Bd. XXVII) 2019.

 

Als Rohde Ende 1897 / Angang 1898 als Pfarrer der Weststadt nach Karlsruhe kam, war zwar ein neues Pfarrhaus bezugsfertig, doch eine neue Kirche, die Christuskirche, war noch im Bau; im Jahr 1900 wurde sie eingeweiht. Die Christuskirche war nach dem Wies-badener Programm von 1892 errichtet worden und ein repräsentatives Bauwerk des Historismus und des Kulturprotestantismus. Als Zentralbau erfüllte sie zugleich die Forderungen des Gemeindeprinzips von Emil Sulze von 1891. Beeinflusste diese Kirche Rohdes Pfarrer- und Gemeindeverständnis? Oder entsprach sie umgekehrt Rohdes mit in die Residenz gebrachter Auffassung des Pfarrer-seins? – Ein Visitationsbescheid von 1905 nennt Rohde einen Prediger von Gottes Gnaden. Während der ersten acht Monate des Ersten Weltkriegs hielt er 20 gedruckte Kriegspredigten, durchweg mit nationalistischen Tönen. ‒ 1904 hatte der Gemeindeverein ein Gemeindehaus gebaut, mit vielen Arbeitsmöglichkeiten, damals eine ungewöhnliche Neuigkeit. Viele Gemeindeglieder konnten für den Gemeindeaufbau und die diakonische Arbeit gewonnen werden. Im Visitationsbescheid von 1922 heißt es deshalb: Das Ver-dienst an diesem Gemeindeaufbau gebührt zweifellos Pfarrer Rohde, der mit großem Weitblick und seltener Tatkraft das Werk durchführte, dabei aber auch eine Reihe verständnisvoller Mitarbeiter fand. – Auf der anderen Seite provozierte Rohde wiederholt Konflikte. Als ihm, dem Liberalen ein positiver, also altgläubiger Vikar an die Seite gestellt wurde, entstand daraus eine dreijährige Auseinandersetzung und eine Spaltung der Gemeinde. Aus ähnlichen Gründen wurde ihm während des Krieges die Seelsorge an einem Reservelazarett für verwundete Soldaten wieder entzogen. Umgekehrt kritisierte er, dass die neue Kirchenverfassung von 1919 nach wie vor die Verselbständigung seines Pfarrbezirks zu einer Kirchengemeinde verhinderte. Vor allem beklagte er, dass zu gleicher Zeit durch die Kirchenwahlen die Positiven gegenüber den Liberalen die Mehrheit erringen konnten, für ihn ein „Sieg der Reaktion“.

 

Also: Ein „Geistlicher moderner Richtung“, ein „geistreicher Kanzelredner“, ein unermüdlicher Seelsorger mit diakonischem Gemein-deaufbau; aber auch ein nationalbewusster Liberaler und Kontrahent in innerkirchlichen Konflikten – ein Gemeindepfarrer mit Widersprüchen.

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© Gerhard Schwinge