Heinrich Sauerhöfer (1901 – 1953)

Pfarrer, Deutscher Christ, NS-Kreisleiter, Konvertit

 

 

Heinrich Sauerhöfer war nur rund sechs Jahre badischer Pfarrer (1930‒1936), fast 20 Jahre seines 53 Jahre dauernden Lebens war er NSDAP-Mitglied und hochengagierter Parteifunktionär (1925‒1945), währenddessen neun Jahre lang nach seiner eigenen Aussage gottgläubig (1936‒1945), schließlich acht Jahre katholisch – ein wahrhaft unglaubliches Leben.

H. Sauerhöfer, Confessio (autobiograph. Aufzeichnung), in: Joseph Logel, Victime du paradoxe, Colmar 1990, S. 319‒326; Udo Wennemuth, Geschichte der evangelischen Kirche in Mannheim, 1996 (Quellen u. Darstellungen zur Mannheimer Stadtgeschichte 4), S. 317‒330 passim; ders. in: 100 Jahre Christuskirche Karlsruhe 1900 – 2000, Karlsruhe 2000, S. 134f. (mit physiognomisch bloßstellendem Bildnis); G. Schwinge, Biogramm H. S. in: Die Evangelische Landeskirche in Baden im Dritten Reich. Quellen zu ihrer Geschichte, Bd. VI, Karlsruhe 2005 (VVKGB, Bd. 62), S. 448f. (mit Quellenregister zu der 6-bändigen Dokumentation); Fred Ludwig Sepaintner u. G. Schwinge: Art. H. S. in: BWB, Bd. 5, Stuttgart 2013, S. 333‒336; Rolf-Ulrich Kunze, „Möge Gott unserer Kirche helfen!“ Theologiepolitik, Kirchenkampf u. Auseinandersetzung mit dem NS-Regime. Die ev. Landeskirche Badens 1933‒1945, 2015 (VbKRG, Bd. 6), S. 433‒435; G. Schwinge, Art. H. S. in: BBKL, Bd. 41, 2020, Sp. 1076‒1078.

Es ist hier nicht möglich, aber auch nicht notwendig (angesichts der vorliegenden biographischen Literatur), Sauer-höfers Aktivitäten während des NS-Regimes im Einzelnen zu schildern. Dann müsste die Rede sein von seiner Stellung im NS-Pfarrerbund, von den Querelen und Richtungskämpfe innerhalb der Glaubensbewegung Deutsche Christen und von seiner außerordentlich häufigen publizistischen Aktivität in den Jahren 1932 bis 1936 in „Der Deutsche Christ“ und in den anderen Organen der DC, oft anonym. Vielmehr geht es um seine Rolle in der Landes-kirche. – Im Elsass geboren und aufgewachsen, seit 1925 Mitglied der NSDAP, war er 1930‒1933 Pfarrer in Gauan-gelloch (Kirchenbezirk Neckargemünd) und 1933‒1936 an der Christuskirche in Karlsruhe, als Nachfolger von Fritz Voges. Dann schied er als Gegner der Kirchenleitung freiwillig aus dem Pfarrdienst und aus der Landeskirche aus, wurde NS-Ortsgruppenleiter und Bürgermeister in Durlach und bald darauf NS-Kreisleiter in Kehl. 1940 wurde er SS-Unterscharführer und 1940‒1944 im Elsass ebenfalls als NS-Kreisleiter eingesetzt. Nach Kriegsende floh er nach Bayern und konvertierte zum Katholizismus. ‒ Sauerhöfer gilt als „einer der politischsten Pfarrer in streng national-sozialistischem Sinne“, als „einer der Protagonisten des radikalen DC-Flügels“ und „unversöhnlicher Gegner der Kirchenleitung“ (Wennemuth); als „einer der fanatischsten Nationalsozialisten Badens“ (Kunze). ‒ Eine „Confessio“, eine „schriftliche Beichte“ vor seiner Aufnahme in die katholische Kirche schrieb Sauerhöfer am 31. Mai 1945 in Mittenwald nieder: gut vier eng beschriebene Seiten lang eine apologetische, beschönigende Autobiographie und auf zwei Seiten eine peinliche, schwärmerische Anbiederung an die „Una Sancta“, die „Mutterkirche“.

Der Übermittler der Confessio, der elsässische Historiker Logel, schreibt dazu, dass er den Text von einer Tochter Sauerhöfers erhalten habe. S. habe katholischer Priester werden wollen, sei aber kurz vor seiner „Ordination“ am 9. Oktober verstorben. Außerdem habe er, Logel, ein Manuskript Sauerhöfers erhalten über verschiedene Personen Schlettstadts und der Region in den Jahren 1940‒1944, solche, die ihn unterstützten, und solche, die sich ihm widersetzten.

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© Gerhard Schwinge