Hermann Teutsch (1876 ‒ 1966)

Pfarrer, Landtags- und Reichstagabgeordneter, ein früher Nationalsozialist,
wiederholt gescheitert

 

 

 

Hermann Teutsch stammt aus einem Pfarrhaus und wurde 1910 als Nachfolger seines Vaters Pfarrer in Leutershausen bei Weinheim, was er 28 Jahre lang blieb, bis zu seinem selbst gewählten vorzeitigen Ruhestand 1938 mit 54 Jahren. Schon als Vikar war er unter dem Einfluss der christlichen, antikapitalistischen, antisozialistischen, antisemitischen Sozialpolitik Adolf Stoeckers politisch aktiv; der zwölf Jahre ältere, ebenfalls politisch aktive Pfarrer Wilhelm Karl war sein Vetter.

Literaturauswahl: Friedrich Teutsch (Enkel), Hermann Teutsch (18776 – 1966), Pfarrer in Leutershausen. Christentum und soziale Frage – evangelischer Nationalsozialist der Anfangszeit und Scheitern in vier Parteien. In: Protestantismus u. Politik. Zum polit. Handeln evang. Männer und Frauen für Baden zwischen 1819 und 1933. Eine Ausstellung der Badischen Landesbibliothek in Zus.arb. mit der Evang. Landeskirche in Baden/Landeskirchliche Bibliothek, dem Generallandesarchiv Karlsruhe u. dem Stadtarchiv Karlsruhe, aus Anlaß des Kirchenjubiläums 1996: 175 Jahre Evang. Landeskirche in baden. Aufsatz- und Katalogband. Karlsruhe1996, S. 246‒260 – Artikel in: DBETh Bd. 2, München 2005, S. 1320f; Personenlexikon zum deutschen Protestantismus 1919‒1949, Göttingen 2006 (Arbeiten zur Kirchl. Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen, Bd. 12), S. 254; BBKL Bd. XXXVII, 2016;  Sp. 273-281

Vor allem nach dem Zusammenbruch von 1918 agitierte Teutsch sozialpolitisch und parteipolitisch als deutsch-nationaler Redner bei evangelischen Arbeitervereinen und auf Versammlungen anderer politischer Vereinigungen. 1929 wurde er Landtagsabgeordneter, 1930 sogar Reichstagsabgeordneter für den national-konservativen Evangelischen Volksdienst, jeweils nur kurzfristig.

Nachdem Teutsch 1931 in die NSDAP übergetreten und Gauleiter des NSDAP-Pfarrerbundes geworden war, erhielt er vom Ober-kirchenrat vorübergehend ein Verbot politischer Reden. Nach vielfachen Enttäuschungen trat er 1937 während eines Parteigerichts-verfahrens aus der NSDAP aus und ließ sich, physisch und psychisch am Ende, 1938 in den Ruhestand versetzen, in dem er dann fast ein Drittel seiner Lebenszeit verbrachte. Teutsch war in seinem Wirken immer wieder gescheitert.

 

 

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© Gerhard Schwinge