Hilde Bitz (1929 – 2017)

Die erste Gemeindepfarrerin in Baden

Biographin vieler Theologinnen vor ihr

 

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 26. Juli 2017 (Foto: zg)

 

Hilde Bitz ist nicht nur in Mannheim geboren (am 18.09.1929) und dort gestorben (am 23.07.2017), sie hat dort, nach Studium und Predigerseminar in Heidelberg, auch ihren gesamten Lebens- und Berufsweg verbracht. Selbst ihr Berufsweg war in diesen Jahren der Nachkriegszeit zwischen 1955 und 1989 noch exemplarisch für die mannig-fachen Widerstände, mit welchen Theologinnen bis zum Erreichen des Ziels eines vollwertigen selbständigen Pfarramts zu rechnen hatten. Hilde Bitz war wohl die Jüngste und zugleich die Letzte, die solche Erfahrungen durchstehen musste.

H. B. hat seit 1986 viele Aufsätze und Kurzbiographien zur Geschichte der Theologin von der Zulassung zum Studium bis zum Gemeindepfarramt verfasst, allein fast 50 für das Lexikon früher evangelischer Theologinnen, u.a. wiederholt zu den Badenerinnen Maria Heinsius (1893‒1979) und Doris Faulhaber (1907‒1991), zuletzt in Band IV der Lebensbilder aus der Evangelischen Kirche in Baden im 19, Jh., 2015. – Personalbibliographie bei Ulrichs

Quellen: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe: Personalakte (PA) und Nachlass (150.113, 2,75 lfde Meter, mit Findbuch)

Literatur: Hilde Bitz in Mannheim – die erste Gemeindepfarrerin in Baden, in: theologinnen, hrsg. vom Konvent Evang. Theo-  loginnen in der Bundesrepublik Deutschlands 25 / 2012, S. 112‒114 - ausführliches Interview auf Youtube:
https://youtu.be/TTGRI3NHB4M ‒ Hans-Georg Ulrichs, „Zu ihrem Gedächtnis“. Hilde Bitz (1929‒2017). Nestrix der evang. Frauengeschichtsschreibung in Baden, in Jahrbuch für bad. Kirchen- und Religionsgeschichte 11 (2017), S. 10‒25 (S. 23‒25 ausführliche chronolog. Personalbibliographie 1986‒2017, S. 10: Bildnis von ca. 1955) ‒ Annette Borchardt-Wenzel, Hilde Bitz – Pionierin auf der Kanzel, in: dies.; Frauen in Baden. Ein biograf. Streifzug durch die Geschichte, Regensburg 2018, S. 237f.

Am Anfang, nach Studium, Examina und Predigerseminar, stand statt der Ordination eine Einsegnung als Vikarin, seit 1962 endlich mit der Amtsbezeichnung „Pfarrerin“. Für Vikarinnen bzw. Pfarrerinnen gab es seit 1942 einen besonderen Vikarinnentalar, ohne Beffchen. Beim Eintritt in den Dienst galt der Zölibatszwang, dies sogar bis 1974 ‒ für heutige junge Theologinnen der Landeskirche undenkbar. Erst 1971 wurde durch die Landessynode beschlossen: „Pfarrer im Sinn der Grundordnung ist auch die Pfarrerin.“

Hilde Bitz lebte seit Beginn ihrer Tätigkeit als Religionslehrerin in Mannheim in einer Wohngemeinschaft, später einer Lebensgemeinschaft, mit der 22 Jahre älteren Vikarin Dr. Doris Faulhaber. Ihren Dienst innerhalb der Landeskirche als Religionslehrerin, seit 1971 endlich als Gemeindepfarrerin der Mannheimer Paul-Gerhardt-Gemeinde (dorthin hatte sie sich beworben und wurde von der Gemeinde gewählt) und zuletzt auf ihren Wunsch als Krankenhausseelsorgerin versah sie in der Tradition der Landeskirche. ‒ Nach beantragter Beurlaubung (1987) ging sie 1989 in den Ruhestand, in welchem sie ihre historische Neigung mit Theologinnen-Biographien pflegen konnte. Sie verstarb am 23. Juli 2017. Trotz der längst fortgeschrittenen theologischen Entwicklung hatte sie sich nie als feministische Theologin verstanden.

 

 

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