Sechs Bürger der Karlsruher Gesellschaft um 1815

Weinbrenner und Hebel, Kalmück und Sophie Reinhard, Tulla und von Drais

 

Zweifellos zählen Weinbrenner und Hebel zu den bekanntesten Karlsruhern, obwohl sie vor 200 Jahren lebten und wirkten, etwa gleich alt und gleich lange in Karlsruhe lebend. Straßen und viele Schulen sind bis heute nach Ihnen benannt: die Weinbrennerstraße und der Weinbrennerplatz in der Weststadt und sogar ein Weinbrennerhaus am Markt; und die Hebelstraße neben der Evangelischen Stadtkirche am Markt.

Über die beiden genannten und die vier folgend dargestellten bekannten Karlsruher hinaus gab es auch andere in diesen Jahren, die hätten berücksichtigt werden können: der Biologe und Direktor des Naturalienkabinetts Geheimer Hofrat Karl Christian Gmelin, die zwei weiteren Hofmaler Philipp Jakob Becker und Carl Kuntz, der Kunstlehrer und Hofhistoriker Aloys Schreiber, der Verleger Christian Friedrich Müller (C. F. Müller), der Geheime Hofrat und Berater des Großherzogs in Geistli-chen Dingen Johann Heinrich Jung-Stilling, die Kirchenräte Nikolaus Sander und Johann Ludwig Ewald ‒ und andere mehr.

Über Weinbrenner und Hebel ‒ wie über die nachfolgend genannten Karlsruher ‒ gibt es eine Vielzahl von vor allem unselbständig erschienener Literatur in Zeitschriften und Sammelwerken, welche hier nicht nachgewiesen werden können, und auch Monographien, die eine oder andere wichtige, ältere oder neue wird genannt.

 

 

Friedrich Weinbrenner (1766‒1826), Architekt und Stadtplaner des Klassizismus, seit 1815 verw., 2 Töchter

Wie Weinbrenner waren ebenfalls andere der hier dargestellten Honoratioren viel auf Reisen und damit immer wie-der von Karlsruhe abwesend, mit Ausnahme von Hebel, der sich jedoch häufig ins Oberland zurückzog, also in seine südbadische Heimat. Weinbrenner und Hebel wurden bald enge Freunde. Hebel und viele anderen Honoratioren wechselten in Karlsruhe oft ihre Wohnung, mit Ausnahme von Weinbrenner. Dieser baute für sich ein repräsentatives Wohnhaus auf einem ihm vom Großherzog geschenkten Grundstück am Ettlinger Tor / Ecke Schlossstraße (der heutigen Karl-Friedrich-Straße), mit der angebauten von ihm gegründeten Bauschule für seine Bauschüler. Wein-brenners Haus bildete. für einen Kreis Karlsruher Künstler und Gelehrten den Mittelpunkt. (nach Arthur Valdenaire, Friedrich Weinbrenner, sein Leben und seine Bauten, 2. Auflage, Karlsruhe 1926, S. 323.)

 

Der eigentliche Versammlungsort des gehobenen Bürgertums war jedoch die sogenannte Lesegesellschaft, eine kulturelle Zusammenkunft, zuerst in in Gasthäusern gemieteten Sälen, später, seit 1813/14 dann im von Weinbren-ner an der Langen Straße / Ecke Ritterstraße errichteten großen, aufwendigen Museumsgebäude, mit Spiel- und Konversationszimmern, Restaurant, Tanz- und Konzertsaal, Leseräumen und einer Bibliothek.

 

Baden und speziell Karlsruhe waren seit 1796 in die Koalitionskriege, und dann besonders durch die Heirat von Erb-prinzip Karl mit Napoleons Stieftochter Stéphanie de Beauharnais von 1806 bis 1812 stark in die Napoleonischen Kriege eingebunden, mit Einquartierungen der Armeen, mit Rekrutierungen von Badenern, mit Kriegskosten belastet; Ende 1813 suchten dann auch die zaristischen Truppen Karlsruhe heim. ‒ Um 1815 hatte Karlsruhe rund 15.000 Einwohner. ‒ 1816/17 gab es in Baden, wie in weiten Teilen Süd- und Westeuropas eine Wetterkatastrophe mit einem kalten „Sommer ohne Regen“ und ohne Ernten, mit nachfolgenden Hungerjahren. ‒ 1818 erschien zum ersten Mal ein komplettes Adressbuch der Stadt Karlsruhe.

 

        Die wichtigsten Karlsruher Bauwerke Weinbrenners waren:

Literatur: Arthur Valdenaire, Friedrich Weinbrenner, sein Leben und seine Bauten. 4. Aufl., Karlsruhe 1985, 348 S., Abb. (= Nachdruck der 2. Aufl. 1926) ‒ Petra Reategui, Weinbrenners Schatten. Hist. Kriminalroman, 2014 (bis S. 289 Roman, S. 292-332 hist. Anhang)

 

 

 

 

 

Johann Peter Hebel (1760‒1826), Gymnasiallehrer, Kirchenrat und Volksschrift-steller, ledig

 

       Becker: Hebel, zwischen 1800 und 1810,

                       (Wikimedia Comons)

Johann Peter Hebel wurde nicht ‒ wie Weinbrenner ‒ in Karlsruhe geboren, auch wenn er Jahrzehnte dort lebte, sondern in Basel, und wuchs im Wiesental im Süd-schwarzwald auf. Seine Eltern, die einheimische luthe-rische Mutter und der reformierte Vater, starben früh. Anders als die meisten seiner hier beschriebenen Freunde ist Hebel nie auf große Reisen gegangen, stattessen hat er sich immer wieder in die Heimat, ins „Oberland“ zurückgezogen, allerdings 1812 zum letzten Mal. Hier hatte er die Schulen seiner Jugendzeit besucht: in Basel, in Hausen, in Schopfheim.

 

Johann Peter Hebel hat jedoch die längste Zeit seines Lebens in Karlsruhe gelebt und gewirkt, fast 40 von 66 Lebensjahren, nämlich schon 1774 bis 1778 als Schüler des Gymnasium illustre und, nach dem Theologiestu-dium in Erlangen und 1780 dem theologischen Examen in Karlsruhe. Vor allem dann aber seit 1791, bis 1814 zunächst als Lehrer und Professor, ab 1808 als Direktor

des nun Lyzeum genannten Gymnasiums. Hebel unterrichtete Hebräisch, Griechisch, Latein und Geographie. 1808 zog das Lyceum in ein dreistöckiges Weinbrennerhaus am Markt, südlich der erst acht Jahre später eingeweihten Stadtkirche; Hebel wohnte von 1808 bis 1812 darin im dritten Stock.

 

1805 wurde er außerdem zum Kirchenrat ernannt und, nach der Einführung der Badischen Verfassung von 1818, 1819 zum ersten Prälaten der damals noch in Lutheraner und Reformierte geteilten evangelischen Kirche und damit zugleich zum Mitglied der Ersten Kammer der badischen Ständeversammlung. Also über 20 Jahre lang war er zugleich in der Leitung der evangelischen Kirche gebunden, einschließlich der Vorbereitung und Durchführung der Kirchenunion von 1821. Daraufhin Verleihung des Ehrendoktors durch die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg.

 

Bereits 1798 war er ungewöhnlicherweise von der Verpflichtung der Thelogen, monatlich einmal zu predigen, entbunden worden, zu seiner Genugtuung.

 

Bekannt und hoch geachtet wurde Hebel jedoch als Dichter, hier besonders durch seine Alemannischen Gedichte, die zunächst 1803 anonym, ab 1804 dann mit seinem Namen erschienen. 1820 schuf die Hofmalerin Sophie Reinhard (siehe unten) 10 Blätter Radierungen zu Hebels Alemannische Gedichte, in Mappe zum Verkauf; in einem Geleitwort lobte der Dichter die Künstlerin.

 

Ebenfalls wurde Hebel als Kalendermann bekannt, das heißt, er übernahm 1807 die Redaktion des badischen Landkalenders, der ab 1808 als „Rheinländischer Hausfreund“ (schließlich mi einer Auflage von ca. 40 000 Ex.) und 1811 auch als Sammelband mit ausgewählten Texten als „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ erschien. 1814 bekam er wegen seiner Kalendergeschichte „Der fromme Rat“ Ärger mit der katholischen Kirche. Er nannte daraufhin den Kalender einen lutherischen Kalender. ‒ 1823/24 kam die von Hebel neu bearbeitete „Biblische Geschichte“ heraus.

 

Bei aller Arbeitslast in Schule und Kirche verstand es Hebel gleichwohl, sich Entspannung zu verschaffen: in Karlsruhe im Café Drechsler, im Theater, in der Lese-bzw. Museumsgesellschaft und in Baden-Baden in der Spielbank,. ‒ Hebel starb am 22. September 1826 in Schwetzingen auf einer Dienstreise.

 

Literatur: Swantje Rehfeld, Johann Peter Hebel, Leben und Werk, Dokumente zur Rezeption, Werkauswahl, Anhang. CD-ROM, Karlsruhe: Literarische Gesellschaft / Scheffelbund 2000, 475 S., 135 sw. Abb. (schlechte Qualität) ‒ Heide Helwig, Johann Peter Hebel. Eine Biografie, München: Carl Hanser Verlag 2010, 366 S., 10 Abb. (siehe auch die Buchbesprechung auf diesen Webseiten) ‒ Bernhard Viel, Johann Peter Hebel, oder Das Glück der Vergänglichkeit. Eine Biographie, München: C. H. Beck 2010, 296 S., zahlr. Abb., eine Karte

 

Hebels Porträtist Philipp Jakob Becker (1759‒1829) war, neben anderen Hofmalern, badischer Hofmaler und erster Galeriedirektor in Karlsruhe.

 

 

 

 

Feodor Ivannoff (oder Iwanowitsch) genannt K a l m ü c k (um 1763/65‒1832), Hofmaler, ledig

Kalmück, Selbstbildnis, Aquarell 1791/1800, Kunsthaus Zürich, Malerbücher N 47

Die Herkunft, das Geburtsjahr und der Name des später Kalmück und von ihm selbst Feodor Ivannofff genannten Karlsruher Zeitgenossen waren unbekannt. Er muss zwischen 1765 und 1767 in der asiatischen Steppe geboren worden sein und wurde verschleppt und nach und nach als Page der Zarin Katharina in St. Peters-burg, der Markgräfin Karoline von Hessen-Darmstadt und ab 1774 von der badischen Markgräfin Amalie in Karlsruhe gefördert. Nach Unterricht in der Schweiz und dem Besuch von Kunst und Zeichenschulen in Karlsruhe brach Kalmück 1791 zu einer jahrelangen Studienreise auf ‒ wiederholt nach Rom und Athen zum Studium der antiken Baukunst und Skulpturen, ebenso nach London und Paris, nach insgesamt nach 15 euro-päische Städte.

Die „Romanbiographie“ von Petra Reategui über den „Hofmaler“ schildert in 51 Kapiteln die Jahre 1770 bis 1803, und damit die vielen Auslandsreisen Kalmücks, sowie die Karlsruher Jahre 1806, 1810/11, 1814, die durch die Freundschaft mit Oberbaudirektor Friedrich Weinbrenner und sein Leben in der Karlsruher Gesell-schaft geprägt waren, schließlich seine letzten Lebens-jahre 1831, 1832. ‒ (Wie reiste man damals und wie finanzierten die Künstler ihre Reisen?)

 

1806 wurde Kalmück wegen seiner besonderen zeichnerischen Begabung zum badischen Hofmaler ernannt und mit einem ungewöhnlich hohen, freilich mit bestimmten Pflichten verbundenen Jahressalär von 1500 Gulden jährlich ausgestattet. (Es gab zur selben Zeit, abgesehen von der Hofmalerin Sophie Reinhard ‒ siehe unten ‒ mindestens noch zwei badische Hofmaler: Philipp Jakob Becker (1759‒1829) war später erster Galeriedirektor in Karlsruhe; ebenso war Carl Kun(t)z (1770-1830) Hofmaler. Hofmaler gehörten nicht zur eigentlichen Hofgesellschaft, wie Hof-räte oder gar Geheime Hofräte. Die Vorsilbe Hof- durften sich unzählige Vertreter verschiedenster Berufe zulegen, wenn sie dem Hof irgendeinen Dienst leisteten, ohne dazu offiziell ernannt zu sein und eine Pension zu bekommen.)

Kalmück hat vor allem Zeichnungen und Radierungen antiker Sujets geschaffen, aber auch Porträts (so Weinbrenner wiederholt, als auch Hebel und Selbstbildnisse). Außerdem schuf er 1815 für seinen Freund Weinbrenner 13 Reliefs biblischer Szenen für die Emporenbrüstungen der Im Bau befindlichen Evangelischen Stadtkirche am Karlsruher Markt (im Zweiten Weltkrieg zerstört, keine Abbildung, nur Entwürfe erhalten).

Literatur: Margrit-Elisabeth Velte, Leben und Werk des badischen Hofmalers Feodor Iwanowitsch (1763‒1832), Karlsruhe 1973, VI, 281 S., Abb. (Diss. phil. Karlsruhe 1972) ‒ Johannes Werner, Der Kalmück. Das Leben des badischen Hofmalers Feodor Iwanowitsch, Ubstadt-Weiher, Heidelberg: verlag regionalkultur 2016, 79 S., Abb. ‒ Petra Reategui, Hofmaler. Das gestohlene Leben des Feodor Ivannoff genannt Kalmück. Bad Saulgau: Triglyph Verlag 2017, 399 S., zahlr. sw. Abb.

 

Jesus heilt einen Blinden. Einer der Entwürfe Kalmücks von 1815 für die Bemalung

der Emporenbrüstungen der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe

(Landesamt für Denkmalpflege Karlsruhe, Fotoarchiv 16606)

 

 

 

 

Sophie Reinhard (1775‒1844), Hofmalerin, ledig (nach gescheiterter Heirat)

Frühestes bekanntes Portrait von Sophie Reinhard im Alter von 28 Jahren.

Pastell auf Pergament von Philipp Jakob Becker aus dem Jahre 1803.

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv.-Nr. 1977-4

Sophie Reinhard wurde in Karlsruhe geboren als Toch-ter des juristischen Beamten der Markgrafschaft Wil-helm Reinhard 1748‒1812). Nach Ausbildungs und Reisejahren, so auch nach Rom und zu der dortigen badischen Künstlerkolonie, wurde sie 1812/13 durch Fürsprache ihres Vaters und ihres Bruders Maximilian Wilhelm Reinhard (1776‒1858), später Staatsrat in Karlsruhe, zur Hofmalerin ernannt, mit 800 Gulden Jahressalär und den bei Hofmalern üblichen bestimm-ten Pflichten. 1814 kehrte sie nach einer gescheiterten Heirat nach Karlsruhe zurück, fortan ledig bleibend, in der Erbprinzenstraße 5 wohnend und durchaus inte-griert in die Karlsruher Gesellschaft, was vorübergehen-des schamhaftes Ausweichen nach Heidelberg und Reisen mit einer Freundin nicht ausschloss. ‒ Im Frühjahr 1818 wurde in Karlsruhe von 48 Gründungs-mitgliedern – darunter Johann Peter Hebel und andere hochge-stellte, kunstbegeisterte Personen sowie Karls-ruher Künstlern – ein Kunstverein ins Leben gerufen, der bereits im April 1818 eine Kunstausstellung im „Museum“ veranstaltete. Sophie Reinhard gehörte nicht zum Kreis der Gründungsmitglieder. Doch wurden von ihr bei dieser Ausstellung zwei Gemälde aus der Groß-

herzoglichen Galerie gezeigt, die sie dem Großherzog geschenkt bzw. als Pflichtbilder dort eingeliefert hatte.

 

Sophie Reinhard malte verschiedenste Sujets, vor allem Bildnisse, so Familienbildnisse und Selbstbildnisse und ein Bildnis Hebels 1810, sowie 10 Blätter nach Hebels Alemannischen Gedichten, „componirt und radirt“ 1810. In den Folgejahren war Hebel seinerseits immer über die künstlerische Laufbahn von Sophie Reinhard unterrichtet; denn er zählte wie sie zu einem Freundeskreis von Architekten, Künstlern und Gelehrten, der öfters bei Weinbrenner zu Gast war. Weinbrenners Haus bildete für diesen Kreis den Mittelpunkt, zu dem neben Sophie Reinhard unter anderen Feodor Iwanowitsch Kalmück, der Botaniker Carl Christian Gmelin, der Ingenieur Johann Gottfried Tulla und wie erwähnt, der Dichter Hebel sowie der Lehrer für Kunstgeschichte an Weinbrenners Bauschule Aloys Schreiber zählten. (Nach: Arthur Valdenaire, Friedrich Weinbrenner, sein Leben und seine Bauten, 2. Auflage, Karlsruhe 1926, S. 323.)

In den 1820er Jahren fanden Karlsruher Kunstausstellungen mit Beteiligung Sophie Reinhards statt.

 

Die heilige Elisabeth mit dem Johannesknaben, Öl auf Leinwand 1812

© Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv.-Nr. 508

 

Literatur: http //www.edwin-fecker.de/sophie_reinhard.htm#_ftnref6 = Edwin Fecker: Die Großherzoglich Badische Hofmalerin Sophie Reinhard (1775‒1844); frei zugänglicher, sehr umfangreicher, detailreicher Text, mit Abbildungen)

 

 

 

 

 

 

Johann Gottfried Tulla, (1770‒1828), Militär, Ingenieur, ledig

Johann Gottfried Tulla, 1827 (Wikimedia Commons)

Tulla wurde als Sohn eines Pfarrers in Karlsruhe gebo-ren. Er wurde bekannt als Initiator und Leiter der Rhein-begradigung und Rheinvertiefung zwischen der Schwe-izer und der hessischen Landesgrenze zwischen 1817 und 1842. Dazu hatte ihm der damalige Kurfürst Karl Friedrich ihm 1804 den Auftrag erteilt. 1809 legte Tulla erste Pläne vor. 1817 erfolgte ein erster Durchstich in Knielingen bei Karlsruhe. Mit Bayern war ein Überein-kommen über die Begradigung zwischen Neuburg und Dettenheim getroffen worden ((die Pfalz war seit dem Wiener Kongress 1815 wieder bayerisch).

Tulla gründete in Karlsruhe eine Ingenieurschule, so wie Weinbrenner eine Bauschule. Diese wurden 1825 mit-einander verbunden, woraus das heutige Karlsruher Institut für Technologie hervorging. Den vier Jahre älte-ren Weibrenner kannte er schon von Jugend an. Dieser war ein Gegner der Rheinbegradigung.

Tulla veröffentlichte 1822 die Schrift Der Rhein von Basel bis Mannheim mit Begründung der Nothwendig-keit, diesen Strom zu regulieren. Carlsruhe 1822. 88 S.,

eine Karte, in der es vor allem um die Kosten seiner Maßnahmen ging, und 1825 die Schrift Ueber die Rektifikation des Rheins von seinem Austritt aus der Schweitz bis zu seinem Eintritt in das Großherzogthum Hessen, Karlsruhe: Müller 1825, 60 S.

 

Literatur: Franz Littmann: Johann Gottfried Tulla und die Geschichte der Rheinkorrektion. Neulingen: Klotz 2020, 47 S., Abb.

 

 

 

 

Karl Freiherr Drais von Sauerbronn (1785‒1851), Forstbeamter, Erfinder, ledig

Karl von Drais, 1820 (Wikimedia Commons)

 

 

Karl von Drais wurde in Karlsruhe geboren, besuchte dort das von Hebel geleitete Gymnasium und starb auch dort. Sein Vater war Oberhofrichter. Von 1803 bis 1805 studierte er in Heidelberg Mathematik, Physik und Bau-kunst, wurde aber als Forstmeister eingestellt. Früh schon stellte Großherzog Karl ihn von seinen berufli-chen Aufgaben frei, damit er sich seinen Erfindungen widmen konnte. Einen Patentantrag für eine „vierrädrige Fahrmaschine ohne Pferde“ von 1813 begutachteten Weinbrenner und Tulla negativ, das heißt als nicht not-wendig.

Im Juni 1817 dagegen präsentierte von Drais mit Erfolg seine zweirädrige „Laufmaschine“, das Ursprungsmodell des immer wieder, bis heute neu konstruierte Fahrrad.

1818 wurde er daraufhin von Großherzog Carl zum Professor für Mechanik ernannt und als Forstmeister frühpensioniert.

1848/49 war Drais in der Badischen Revolution Mitglied der Bürgerwehr und verzichtete auf seinen Adelstitel.

 

 

Kolorierte Lithographie von Hartenstein (?), etwa 1820 (Wikimedia Commons)

 

 

 

 

 

 

 

Literatur: Karl Friedrich Drais von Sauer-bronn, 1785 ‒ 1851. Ein badischer Erfin-der, Ausstellungskatalog zum 200. Ge-burtstag, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsru-he (Red.: Heinz Schmitt, Peter Pretsch), Karlsruhe 1985,103 S., zahlr. Abb. ‒ Christine Beil: Karl von Drais, Karlsruhe 2017, 112 S., Abb. (Karlsruher Köpfe. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karls-ruhe, Bd. 4)

 

 

Badwochenblatt der Stadt Baden-Baden vom 29. Juli 1817, S. 188 u. 189

Loda war der ursprüngliche Name der von Karl v. Drais erfundenen Laufmaschine, der Vorläuferin des Fahrrades,

weiter nach dem Erfindernamen als Draisine benannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© Gerhard Schwinge