Um uns herum Corona-Infizierte

- vor 195 Jahren schon hatte Hebel solche Symptome.

 

 

Corona-Krise,

sie beherrscht jetzt schon seit langem unser Leben und unsere Medien, zunehmend in der ganzen Welt. Und das wird noch lange so bleiben. Viele genesen wieder. Aber viele sterben auch.

Was sich vor bald 200 Jahren in Karlsruhe ereignete, war räumlich und zeitlich sehr begrenzt. Aber die Symptome waren ähnlich.

 

Der alemannische Dichter und Prälat der protestantischen Landeskirche Badens

Johann Peter Hebel (1760‒1826) schrieb in einem Brief aus Karlsruhe vom 29. Sept. 1825:

 … Ich hatte drei Tage lang das Fieber – es wird also das dreitägige gewesen sein – mit Kopfweh und Betäubung. Aber mein dermali-ger Vizedoktor Stabsmedikus Meier hat den rechten Fleck getroffen. In 5 Tagen war er nicht nur fertig mit mir […], sondern es haben auch fast alle meine anderen Anfechtungen wenigstens bis jetzt aufgehört. Ich habe keine Schmerzen mehr in den Gliedmaßen,
keine Schweiße, keine Beengungen des Atems, keine Hypochondrie. …Ich glaube übrigens noch zur rechten Zeit zuvorgekommen zu sein. Denn seit meiner Genesung herrscht hier ein bösartiges Nervenfieber, das viele dahinrafft. Mein Freund [Kirchenrat Christoph Heinrich] Doll hat in 8 Tagen zwei Töchter verloren. Gestern haben wir ihn selbst in seine Ruhe geleitet. Ich konnte keinen schmerz-hafteren Verlust erleiden. […] Übrigens ist die Furcht vor der Krankheit hier doch noch größer als sie Gefahr. Man läutet nicht mehr bei den Leichen, was ich übrigens für gut halte, mehrere Familien sind schon weggezogen, Reisende sollen die Stadt umfahren. […]

Seit gestern haben wir kühles Wetter, von welchem die Ärzte das beste erwarten. Auswärts wird die Sache noch vergrößert. Glauben Sie das wenigste von dem was Sie vielleicht hören, und da die Ärzte raten, viel Wein zu trinken, und zwar guten, so rechnen Sie auf mich. …

            Es ist kein Trost dabei, lange zu leben. Man wandelt zuletzt gleichsam auf einem Gottesacker. …

 

Hebel, lebenslang Junggeselle und damals als Mieter in der Erbprinzenstraße 1 wohnend, stand beim Schreiben des Briefs im 66. Lebensjahr, also ziemlich genau ein Jahr vor seinem Tod.

Leider konnten keine weiteren Zeugnisse für die von Hebel beschriebene epidemische Krankheit in Karlsruhe gefunden werden. (Karlsruhe hatte zu der Zeit bereits fast 20.000 Einwohner.) Nach einem Buch über Epidemien von 1841 soll es sich 1825 in Karlsruhe um Nervenfieber gehandelt haben, eine allerdings nicht präzise Krankheitsbezeichnung.

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© Gerhard Schwinge