Grundlagen der Evangelischen Kirche in Baden.

Quellen zu Bekenntnis, Lehre, Ordnungen, Kirchengemeinschaft und Ökumene 1556 – 2017. (= GEKIBAQ) Ausgew., bearb. u. eingel. von Johannes Ehmann und Georg Gottfried Gerner-Wolfhard unter Mitarbeit von Reinhard Ehmann. Neulingen: Klotz 2021 (Sonderveröffentlichungen des Vereins für Kirchengeschichte in der Evang. Landes-kirche in Baden, Bd. 14), 424 S., 3 Abb. geb., 24 x 17 cm, Ln, 1225 g, ISBN 978-3-948968-80-9, 39,90 € Ladenpreis, 25,00 € Vereinspreis, 20.00 € Mitgliederpreis.

Anlässlich des Unionsjubiläums 200 Jahre Evangelische Landeskirche in Baden erschien diese Quellensammlung zur Gesamtgeschichte des Evangelischen in Baden, seit der Einführung der Reformation 1556 in der lutherischen Markgrafschaft Baden-Durach und im selben Jahr in der rechtsrheinischen reformierten Kurpfalz. Herausgeber sind der Heidelberger apl. Professor Johannes Ehmann (64) und der ehemalige landeskirchliche Ausbildungsreferent und Honorarprofessor Georg Gottfried Gerner-Wolfhard (82).

Die Sammlung ergänzt die Quellensammlungen von Johannes Bauer von 1915 (zu 1556 bis 1914) und 1921 (zum 100-jährigen Unionsjubiläum) und eine Sammlung von 1996 (zum 175-jährigen Unionsjubiläum, Redaktion Gerhard Schwinge) für die Jahre 1996 bis 2018.

 

Bauer 1915

 

Bauer 1921

 

Schwinge 1996

 

 

 

Aus dem Vorwort der Herausgeber der Landeskirche:

„Wenn im Jahre 1915 der Heidelberger Praktische Theologe Johannes Bauer (1860–1933) eine Quellensammlung „Zur Geschichte des Bekenntnisstandes der vereinigten ev.-prot. Kirche im Großherzogtum Baden“ [118 Texte 1556‒1914 u. Register auf X, 179 S.] vorlegte und wenige Jahre später zum Unionsjubiläum 1921 „Die Union 1821“ als kommentierte Quellenausgabe erscheinen ließ, so waren beide Publikationen v.a. als Grundlagen für praktisch-theologische Vorlesungen gedacht. – 2017 ist irritierend: der letzte Quellentext ist das Ergebnis der Beratungen des Beirats des EOK zur Geschichte und Bedeutung der badischen Union von 2018.

Der neue Band von 2021 hat vier Teile: 1556–1802, Die lutherische Kirche (18 Abschnitte) / 1803–1807, Die luth. Kirche Alt-Badens u. die Integration der Reformierten (4 Abschnitte, 14 S.) / 19. Jahrhundert, Die Unionskirche (1814 ff, 21 Abschnitte) / 20. Jahrhundert: Die bad. Landeskirche (1918 ‒ 2018, 32 Abschnitte). (2017 ist irritierend: der letzte Quellentext ist das Ergebnis der Beratungen des Beirats des EOK zur Geschichte und Bedeutung der badi-schen Union von 2018.) ‒ Die 75 thematischen Abschnitte haben meist je vier Textdokumenten-Nummern, zusam-men also rund 300 Nummern. Diese sind überwiegend kircheninstitutionelle und kirchenrechtliche Dokumente. Seit 1930 werden oft Quellen aus der Sammlung von 1996 übernommen, ohne sie auszudrucken, nur mit Hinweis auf die dortigen Nummern.

Als Abbildungen sind eine Karte mit der Besitzverteilung von 1806 und eine Karte von dem Gebiet der Landeskirche heute wiedergegeben, außerdem das bekannte Gedenkblatt zum Reformationsjubiläum 1856:

Das ergibt ein differenziertes informatives Inhaltsverzeichnis von 11 Seiten. Ein (Quellen- und) Literaturverzeichnis von 15 Seiten und Auswahlregister der Namen und der Sachen beschließen den Band.

Auf dem Einband ist die silberne Gedenkmünze der Landeskirche zum Unionsjubiläum abgebildet, Medailleur: Victor Huster, Baden-Baden. (Diese Auskunft findet sich nicht im Buch.) Die überladenen Textzeilen auf dem Einband wur-den bei einem solchen Arbeitsbuch unpassenderweise in Goldprägung wiedergegeben. Der Band ist durch die Pa-pierwahl und den festen Leineneinband mit 2 ½ Pfund „untragbar“, dazu mit sehr enger Fadenbindung kaum aufzu-schlagen.

Für wen ist die umfangreiche Quellensammlung gedacht? Was ist die Zielgruppe? cui bono? Wohl für speziell inter-essierte Historiker, die sich den Zeitraum ihres Interesses auswählen können. Auch für sie gibt es manch Unbekann-tes zu entdecken.

So werden zwei Texte geboten, welche sich g e g e n eine Union äußern: 1723 entstanden lateinische Thesen eines unbekannten Lutheraners aus dem Oberland (Nr. 13, mit Übersetzung; ebenso bei Bauer 1915, Nr. 7), der sich gegen eine „unio“ mit den Reformierten aussprach: § 6 Una religio est vera. nostra religio lutherana unice studet placere deo. § 7 Unionem religionis reformata cum nostra lutherana neque possibile neque consultam esse judi-camus. (Nur eine Religion ist die wahre, nur unsere lutherische ist bestrebt, Gott zu gefallen. Eine Vereinigung der reformierten mit unserer lutherischen Religion ist weder möglich noch ratsam. Übersetzung: J. Ehmann)

144 Jahre später war es der liberale Heidelberger Theologieprofessor Daniel Schenkel, der kurz nach dem sog. Schenkelstreit in 10 Thesen von der Union schrieb (Nr. 39 e): 1) sie sei der ... Ausdruck für das protestantische christliche Bewußtsein, daß der Schwerpunkt des Christenthums nicht auf dem kirchlichen Dogma, sondern auf der christlich-sittlichen Lebensgemeinschaft beruhe. 9) Das letzte Ziel der Unionsstiftung in Deutschland ist die deutsch-protestantische Nationalkirche.

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© Gerhard Schwinge