Worms

 

 

 

 

 

 

 

 

Worms

Orte der Reformation, Journal 25.

 

Hrsg. von Volker Jung und Ulrich Oelschläger,

Text- und Bildredaktion: Albert de Lange.

Evang. Verlagsanstalt Leipzig 2015, 77 S. 4°

ISBN 978-3-374-04115-3 – 9,90 €

 

Der Umschlag des Heftes zeigt die Sehenswürdigkeit, welche Besucher der Reformations- stadt Worms heute vor allem anzieht: die größte, sogar begehbare Reformationsdenkmal- anlage der Welt, wegen der alles andere überragenden Luthergestalt eigentlich ein Luther- denkmal. Unterhalb des Reformators an den Sockelecken sitzen die vier sogenannten Vor- reformatoren als Wegbereiter der Reformation: der Franzose Petrus Waldus, der Engländer John Wyclif, der Böhme Jan Hus und der Italiener Girolamo Savonarola. An den vier Ecken der Anlage stehend: hinten der Humanist Johannes Reuchlin und der Refor- mator Philipp Melanchthon, vorne die lutherischen Reformationsfürsten Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen und Philipp der Großmütige von Hessen. Zwischen ihnen als sitzende Frauenge-stalten die drei Reformationsstädte Speyer, Augsburg und Magdeburg. Als Reliefmedaillons mit ihren Porträts sind außer den beiden Wittenbergern Johannes Bugenhagen und Justus Jonas auch die nichtlutherischen Reformatoren Johannes Calvin von Genf und Ulrich Zwingli von Zürich zu sehen. Und endlich als eins von drei szenischen Reliefs: Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521. – Im Heft wird die Reformationsge-schichte  genauer beschrieben, von Luthers Thesenanschlag 1517 bis zum „trauernden Magdeburg“ im Dreißigjährigen Krieg. Das Ganze ist ein Zeugnis der protestantischen Erinnerungskultur des 19. Jahrhunderts.

Was Worms als Stadt der Reformation jedoch vor allem andern bekannt gemacht hat, erscheint hier nur am Rande: der Reichstag zu Worms. Nach seinem Auftreten gegen den Ablasshandel der Zeit 1517 (in Wittenberg) und der Proklamation seiner reformatorischen Erkenntnis auf der Disputation 1518 (in Heidelberg) war Luther bereits als Ketzer mit dem Kirchenbann belegt worden. Dennoch wurde er 1521 auf den Wormser Reichstag vorge-laden, um ihm die Gelegenheit zu geben, vor Kaiser und Reich seine Lehre zu widerrufen. Weil er dies verweigerte, weil er nicht gegen die Heilige Schrift und gegen sein in ihr gebun- denes Gewissen zu handeln bereit war, wurde mit einem kaiserlichen Edikt über ihn eine lebenslange Reichsacht verhängt, das heißt, er wurde – und ebenso seine Anhänger – für vogelfrei erklärt. Luther, so die Überlieferung, soll bekannt haben: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“

Zu den folgenden jahrzehntelangen Auseinandersetzungen und Bemühungen, zur Glau- benseinheit zurückzufinden, zählen auch die Wormser Religionsgespräche von 1540/41  bis 1557. Diese nahm man als Anregung für interkonfessionelle und interreligiöse Religi-onsgespräche auch in unserer Zeit, um Toleranz und gegenseitiges Verstehen zu fördern. Worms ist ja nicht nur eine evangelische Stadt, zur rechtsrheinischen Landeskirche von Hessen und Nassau gehörend (politisch aber nicht in Hessen liegend, sondern in Rhein-land-Pfalz), sondern fast mehr noch eine katholische Stadt, zum Bistum Mainz gehörend, mit dem großen katholischen Dom St. Peter.

Dies alles findet der Leser im Heft, und manches mehr, entsprechend den wiederkeh-renden Teilen der Journalreihe: eine Stadtführung (auch zu Orten der jüdischen Tradition in Worms seit dem frühen Mittelalter), die alten und neuen Gotteshäuser der Stadt (darunter die große barocke Dreifaltigkeitskirche von 1725, die evangelische Hauptkirche der Stadt) wie Äußerungen von Prominenten. Selbst firmiert sich Worms allerdings als Nibelungen-stadt. Ein Besuch der Stadt, welche im Ortskern inzwischen teilweise leider allzu eng bebaut worden ist (im Heft durch großzügige, hervorragende Bebilderung gelegentlich geschönt), empfiehlt sich im Sommer.

G.S.

Der Prediger tritt hinter seiner Botschaft zurück, seine nach

oben weisende Hand verbirgt

sein Gesicht.

 

G.S. als Pastor auf der Kanzel der

St.-Florians-Kirche aus dem

13. Jahrhundert in Sillenstede (Nordoldenburg), ca. 1965

Der Vortragende hat seine Zuhörer im Blick

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© Gerhard Schwinge