Parteiungen statt Union?

 – eine andere 200-jährige Landeskirchengeschichte Badens

 

 

Teil 7: Nachtrag - Gegenwart in der badischen Landeskirche

 

 

Auch in unserer Zeit gibt es In der badischen Landeskirche durchaus theologisch-kirchliche Uneinigkeit, vor allem zwischen der offiziellen Landeskirche mit ihren Dienststellen und deren Verlautbarungen auf der einen Seite und den sogenannten evangelikalen Gemeinschaften auf der anderen Seite, meist rechtlich bestehend als Verein mit Eigen-finanzierung. Die Landeskirche vertritt zu bestimmten Streitpunkten im Allgemeinen eine liberale Position, die Ge-meinschaften eine fundamentalistische. Nach wie vor stehen sich also liberal und konservativ oder evangelikal gegenüber.

 

Die wichtigsten Gemeinschaften im Bereich der Landeskirche sind:

 

® der AB-Verband – Evang. Gemeins-chaftsverband AB e. V., seit 1849, bei

der Gründung unter dem Einfluss Aloys Henhöfers mit dem Namen: Evang. Verein zur Rettung aus dem geistlichen und weltlichen Verderben unserer Zeit (Innere Mission) Augsburgischen Bekenntnisses, bis heute als unabhängiger Gemeinschaftsverband innerhalb der Landeskirche, dezentral aus vielen Ortsgruppen bestehend, mit dem Hauptsitz und dem Bibelheim Bethanien in Karlsbad (zwischen Ettlingen und Pforzheim) ‒ www.ab-verband.org

 

 

® das Lebenszentrum Adelshofen, seit 1950 bestehend in Adelshofen im Kraichgau (Ortsteil von Eppingen). Es nennt sich „ein freies Missionswerk innerhalb der Evangelischen Landeskirche“, Träger-verein ist die Kommunität Adelshofen e. V. Das Lebenszentrum ist eine Kommunität mit seelsor-gerlich-missionarischer Ausrichtung und eigener theologisch-kirchlicher Ausbildung von Gemeindepädagogen, mit einem Theologischen Seminar (früher: Bibelschule). Die Schwestern der Kommunität, darunter eine landeskirchliche Gemeindepfarrerin, tragen eine eigene Schwesterntracht. 1950 gegr. durch den örtl. Gemeindepfarrer Dr. Otto Riecker ‒ www.lza.de

 

 

® die Langensteinbacher Höhe, Bibelkonferenzzentrum e.V. in Karlsbad (wie der AB-Verband), 1959, gegründet durch Dr. Hartmut Maier-Gerber, der nicht nur Arzt, sondern auch ein junger Unternehmer in der Maschinenbaubranche war, mit sechs seiner Mitarbeiter als einen gemeinnützigen Verein, heute mit einem großen Gebäudekomplex – www.lahoe.de

 

 

 

® die Christusbewegung Baden e. V., keine eigentliche eigenständige Gemeinschaft, sondern eine Art Arbeitsge-meinschaft: Im März 1970 schlossen sich in Baden Vertreter sehr verschiedener bekenntnistreuer Gruppen zusammen: die Evang. Vereinigung für Bibel und Bekenntnis (Aloys-Henhöfer-Verein), das Friedrich-Hauß-Studienzentrum in Schriesheim bei Heidelberg (Morata-Haus, Wohn- und Lebensgemeinschaft Theologiestudierende –

www.cbb-baden.de

 

 

 

® das Netzwerk evangelischer Christen in Baden, seit 2014, ebenfalls keine Gemeinschaft im speziellen Sinn, sondern ein Zusammenschluss evangelikaler landeskirchlicher Pfarrer. „Wir lieben unsere Kirche. Gerade deshalb sehen wir mit Sorge, dass in ver-schiedenen Bereichen auch der badischen Landes-kirche Wege eingeschlagen werden, die sich von den biblisch-reformatorischen Grundlagen entfernen und dem Zeitgeist folgen. Wir wollen nicht schweigen, sondern unsere Stimme erheben und uns mit Gleichgesinnten zusammenschließen, damit unser Anliegen Beachtung findet.“ – www.netzwerk-baden.de

 

 

Differenzthemen sind u.a. v.a.:

 

Homosexualität, Gender, LSVD, LSBTI – für die einen eine Krankheit, eine Behinderung; deshalb sind keine kirchlichen Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare möglich, erst recht keine solche Paare in einem Pfarrhaus –     für die Landeskirche neben männliche und weiblich ein drittes Geschlecht „divers“; entsprechend gibt es im Ober-

kirchenrat im Personalreferat (Ref. 2) die Abteiliung: Stabsstelle Gleichstellung und Diversity.

Abtreibung, Suizid – Tötung von Leben nach der Schöpfungsordnung.

Kooperation mit Weltreligionen, insbes. Islam – gleichberechtigte monotheistische Religion – Islam-Gesprächs-papier „Christen und Muslime“ 2018, gemeinsamer Religionsunterricht in Schulen, universitäre Zusammenarbeit mit Islam-Theologen ‒ Landeskirchliche Beauftragte für christlich-islamisches Gespräch.

 

Im Unterschied zu früheren Zeiten kam es nicht ‒ und wird es wohl nicht geben ‒ zu offenen polemischen Auseinandersetzungen und „Streits.

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© Gerhard Schwinge