2023 - 1908

115 Jahre Oberkirchenratsgebäude

erbaut durch das Architekturbüro Curjel & Moser

 

Das Karlsruher Architekturbüro Curjel & Moser (vg. das Lebensbild in diesen Webseiten), errichtete 18881915, in der Zeit eines großen Baubooms, von Karlsruhe aus, auch in der deutschsprachigen Schweiz, Hunderte von Bauten ‒ mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser, auch Kaufhäuser und ein Konzerthaus, und Kirchen. In Karlsruhe waren es drei kirchliche Bauten: die neugotische Christuskirche (1894‒1900) in der Weststadt, die Lutherkirche im Jugendstil (1900‒1907) in der Oststadt und das Dienstgebäude des Evangelischen Oberkirchenrats (1904‒1908) in der Blumenstraße 1.

Bevor es zur Errichtung des Oberkirchenratsgebäudes kam, gab es landeskirchliche Dienststellen an verschiedenen Orten, zwei Kirchenbausinspektionen, je eine in Heidelberg und in Karlsruhe, Stiftungsverwaltungen und Kirchliche Fondsverwaltungen. Diese sollten nun an einem Ort, in einem Gebäude zusammengeführt werden. Das bisherige Oberkirchenratsgebäude in der Karlsruher Sophienstraße 25 war dafür zu klein.

Für das Dienstgebäude des Oberkirchenrats gab es, im Unterschied zu den Kirchen, keine Ausschreibung mit Wettbewerb, sondern von Anfang an eine Zusammenarbeit mit Curjel & Moser (Architektenvertrag vom 20. April 1905). Aufwendig dagegen waren die planerischen und finanziellen Vorbereitungen. Es musste ein bis dahin im Besitz der Museumsgesellschaft befindliches Grundstück, der Museumsgarten an der Ritterstraße, gekauft werden. Zur Übernahme der Kosten mussten verschiedene landeskirchliche Stiftungen und Fonds herangezogen werden.

Zur Fertigstellung des großen repräsentativen Baukomplexes in einem dezenten Jugendstil kam es im Herbst 1907, zur Übernahme durch die Verwaltungen nach und nach in 1908.

Der Bau bestand aus drei Geschossen plus einem Dachmansarden-Geschoss, mit zahlreichen Dienstzimmern, einer Präsidentenwohnung im 1. Obergeschoss (Separateingang von der Ritterstraße aus) und einer Hausmeisterwoh-nung im Erdgeschoss (Separateingang von der Blumenstraße aus). Kirchenpräsident war zu der Zeit Albert Helbing (1837‒1914).

1907 beging Helbing seinen 70. Geburtstag, 1910 sein 50-jähriges Amtsjubiläum – Lebens- und Amtsjahre, welche eigentlich den Eintritt in den Ruhestand gerechtfertigt hätten. 1906 wurde er Witwer. 1908, zog er gleichwohl allein in die Dienstwohnung, angrenzend an seine Amtsräume „Der Oberkirchenrat“ wirkte wie ein Stein gewordenes Denk-mal für „seine Exzellenz“, den Wirklichen Geheimrat D. Albert Helbing.

Es hat nicht an scharfen Kritikern intra et extra muros gefehlt, die dieses Haus aus gediegenem Material mit der Unzahl seiner Räume in der vornehmen Lage unter hohen Parkbäumen mit scheelen und eifersüchtigen Blicken beäugten. (Otto Frommel, Helbings Schwiegersohn)

 

Der alte Bau von 1908, Außenansicht

                 von Südosten                                                           von Süden                                                         von Südosten            

 

Der veränderte Bau, Außenansicht

Vom alten Bau blieb jedoch vieles erhalten, nicht nur im Fassadendetail. Der Hauseingang und die Hofeinfahrt blieben so gut wie unverändert.

                      Haupteingang Blumenstr.1908 u. 2022                                                              Hofeinfahrt Blumenstr. 1908 u- 2022

 

Nachdem im Krieg das Mansarden-Dachgeschoss einschließlich des Dachreiters zerstört worden war, wurde 1954‒1957 ein neues zusätzliches Stockwerk gebaut, zunächst nicht nur für Diensträume, sondern auch für zwei Dienstwohnungen, zusätzlich zur Hausmeisterwohnung im Erdgeschoss und zusätzlich zur von Anfang an exis-tierenden Präsidenten-Wohnung im 1. Obergeschoss mit separaten Hauseingängen.

 

                                 von Südosten 2022                                                                            von Westsüden

 

 

Innenansicht

Das Treppenhaus blieb so gut wie unverändert.

 

 

 

 

 

 

Eingang, EG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick vom EG zum 1. OG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zwischen 1. und 2. OG

 

 

 

Nur der alte Bibliothekssaal, durchgehend vom 2. zum 3. OG, mit Empore, wurde ein gemeinsamer Lesesaal von Bibliothek und Archiv.

                                   Bibliothekssaal 1908                                                                  Lesesaal für Bibliothek und Archiv 2022

 

Baustil

ein dezenter Jugendstil, was an Teilen der Außengestaltung und innen am Treppenhaus erkennbar ist.

 

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Quellen der Abbildungen: (für die historischen Fotos:) LKA Karlsruhe 154.0267.1-7; 154.0189.1 u. 2; 154.1087; Wikimedia Commons, Google Bilder, Denkmalschutz Karlsruhe.

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© Gerhard Schwinge