Ökumene - Versöhnte Verschiedenheit

– eine andere 200-jährige Landeskirchengeschichte Badens

 

Teil 6: nach 1948:

Vereinigungen christlicher Kirchen als „Unions-Ersatz“

Das griechische Wort Oikoumene, deutsch Ökumene, bezeichnete in der griechisch-römischen Antike die gesamte „bewohnte“ Erde, soweit sie damals bekannt war. Ökumene ist heute die Bezeichnung für die weltweite Christenheit, englisch ist die Bezeichnung World Council of Churches / WCC üblich, deutsch: Ökumenische Rat der Kirchen / ÖRK.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus stand auch die badische Landeskirche vor der Entscheidung: Fortsetzung der bisherigen Strukturen oder Neuanfang? Konkreter: weiter Amtswaltung auch der deutschchristlichen Pfarrer und daneben die der Anhänger der Bekenntnisgemeinschaft? Ergebnis vor allem der Vorläufigen Landessynode im November 1945 in Bretten war, dass es keine kirchenpolitischen Gruppen mehr gab. Konfessionelle Differenzen spielten also offiziell keine Rolle mehr, was nicht ausschloss, dass der neugewählte Landesbischof Julius Bender als Lutheraner und zum Beispiel der neue Prälat für Nordbaden Hermann Maas (Heidelberg) als Liberaler erkennbar waren.

Über Baden hinaus, deutschlandweit war die Konfessionsvielfalt durchaus weiterhin der Fall: Unter den 20 deutschen Landeskirchen gab es unierte Landeskirchen wie die badische, aber auch lutherische Landeskirchen wie Bayern und Hannover, und außerdem reformierte Gemeinden ‒ jeweils sogar wieder noch mit eigenen Zusam-menschlüssen: die VELKD, nämlich die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, die EKU, nämlich die Evangelische Kirche der Union, die die Kirchen der ehemaligen altpreußischen Union zusammmenfasste, und schließlich ein Refor-mierter Bund, der reformierte Gemeinden in  Bayern und in Nordwestdeutsch-land (Ostfriesland, auf dem Gebiet der lutherischen Landeskirche Hannover) vereinte.

Schon 1945 in den Anfängen, 1948 dann als offizielle Gründung wurden alle diese Landes-kirchen in der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammenge-schlossen, mit der EKD-Syno-de aus Delegierten der Gliedkirchen und mit dem gewählten Rat als Leitungsorgan.

Ebenfalls seit 1948 gibt es in Deutschland als eingetragener Verein die Arbeitsgemein-schaft christlicher Kirchen / ACK, die überkonfessionell sehr viele Religionsgemein-schaften und auch nichtlandeskirchliche Einzelgemeinenden zusammenbringt, regional und örtlich verschieden. Es ist die einzige ökumenische Vereinigung, an der sich die

römisch-katholilische Kirche beteiligt, obwohl nicht nur Freikirchen, sondern auch als Sekten eingestufte Gemeinschaf-ten wie die Neuapostolische Kirche, die Adventisten und Pfingstgemeinden Mitglieder sind, selbstverständlich auch alle verschiedenen ortho-doxen und anglikani-schen Kirchen, aner-kannte Freikirchen, auch die Alt-Katholische Kirche wie die Selb-ständige Evangelisch-luthe-rische Kirche. Neben der Mitgliedschaft gibt es den Gast- oder Beobachterstatus. Es existiert eine gemeinsame Arbeitsstelle, die Ökumenische Centrale in Frankfurt.

 

Zur ACK Karlsruhe gehören rund 20 Kirchen und Gemeinschaften.

Auf dem Gebiet des früheren Großherzogtums bzw. des Landes Baden besteht neben der evangelischen Landeskirche das Erzbistum bzw. die Erzdiözese Freiburg. Was lag näher, als dass diese beiden Kirchen eine Zusammenarbeit als badische Ökumene praktizierten.

Das geschah vor allem etwa nach der Jahrtausendwende, als Landesbischof Ulrich Fi-scher im Amt war und das Zusammenwirken mit dem gleichzeitig amtierenden Erzbi-schof Robert Zollitsch suchte. In den letzten Jahren entstand daraus eine baden-würt-tembergische Ökumene mit zwei neuen Partnern: der württembergischen Landeskir-che und des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Das Zusammenwirken dieser Landeskirchen und Bistümer zeigt sich besonders in gemeinsamen Stellungnahmen zu gesellschaft-lichen oder politischen Fragen.

Die weltweite Ökumene besteht in dem ebenfalls 1948 gegründeten World Council of Churches / WCC, deutsch: Ökumenischer Rat der Kirchen / ÖRK. Er vereint unter dem Motto „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ alle christlichen Konfessionsfamilien mit Aus-nahme der Römisch-katholischen Kirche, also protestantische, orthodoxe und anglikanische Kirchen. Alle sieben Jahre findet, in wechselnden Städten, eine Vollversammlung des ÖRK mit Hunderten von Teilnehmern statt. Die nächste, die elfte Vollversammlung soll in Karls-ruhe stattfinden und war bereits für 2020 vorgesehen, dann jedoch wegen der Corona-Pan-demie verschoben worden, erst auf 2021, jetzt sogar auf September 2022.

 

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© Gerhard Schwinge