Buchbesprechung

 

 

Schlatter: Emanzipation der Israeliten, 1858, 143 S.

 

Vgl. Anzinger: Schlatter, 2025, S 604‒609, zu Anzinger siehe Buchbesprechung in dieser Website

(Anzinger referiert eingehend den Inhalt von Schlatters Schrift)
 

und: Rürup, Reinhard: Emanzipation und Antisemitismus, Studien zur „Judenfrage“ der bürgerlichen Gesellschaft. Göttingen 1975 u. ö. (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Band 15), 268 S., S. 37‒73

(Aufsatz: Die Emanzipation der Juden in Baden) - Rürup berücksichtigt Schlatters Veröffentlichung nicht.

 

Schlatters anspruchsvolle Schrift hat keine besondere Resonanz gefunden, von zwei anonymen Rezensionen abgesehen, einer negativen im Mannheimer Anzeiger im November 1858 und einer empfehlenden in den Heidelberger Jahrbüchern 1861.
 

Als Hintergrund der Schrift kann, abgesehen von dem zu allen Zeiten gegebenen Antisemitismus (Volksstimmung, Vorurteile, Rechtlosigkeit der Juden), gelten, dass Schlatter 20 Jahre zuvor selbst ein Gegner der Emanzipation gewesen war, mit späterer Meinungsänderung, und in der Folgezeit das Thema Emanzipation auch in Baden behandelt worden war (Verhandlungen der Zweiten Kammer 1831).

 

Die Schrift gliedert sich in zwei thematisch gleich darstellende Hauptteile. Zunächst in Bezug auf die Gegner der Emanzipation (S. 15‒95: Widerlegung der gegen die Emanzipation vorgebrachten Einwände und Gründe), danach im Blick auf deren Verteidigung (S. 95‒140: Ausstellung und Darlegung der Gründe für die Emanzipation. Die Emanzipation ist eine Forderung), jeweils gegliedert in vier Themenbereiche: Judentum als Religion und Nationalität, Moralität ‒ jüdisches Gesetz und als soziales Staatswesen.

 

Assimilation als eine Folge der Emanzipation der Juden, keineswegs als ihre Vorbedingung, auch nicht abhängig von ihrer Bekehrung als Vorbedingung, wie die Vertreter des neoorthodox-erwecklichen Pietismus (Schlatters eigentlicher Gegner) es fordern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© Gerhard Schwinge