Der Kirchenlieddichter
Paul Gerhardt (1607 ‒ 1676
Kirchenfenster in der Evangelischen Kirche in Heidelberg-Rohrbach (Ausschnitt)
anlässlich seines 350. Todestags im Mai 2026
Orthodoxer lutherischer Theologe (vor allem in Berlin) und Kirchenliederdichter
– während des Dreißigjährigen Krieges, (von vier Kindern starben zu Lebzeiten des Vaters drei) -
Ich steh an deiner Krippen hier –
wenn jemand dieses Lied liest oder gar singen hört, wird er zunächst denken, es ist ein weihnachtliches Kinderlied. Erst wenn man weitere von den neun Strophen liest, wird man erkennen, dass es kein Kinderlied, sondern ein ernstes Kirchenlied ist:
Ich lag in tiefster Todesnacht / du warest meine Sonne, /
die Sonne, die mir zugebracht / Licht, Leben, Freud und Wonne. /
O Sonne, die das werte Licht / des Glaubens in mir zugericht‘ ‚/
wie schön sind deine Strahlen. (3. Strophe )
Etwa 130 Kirchenlieder hat Paul Gerhadt gedichtet, viele davon sind in der 5. Auf-lage von Johann Crügers „Praxis Pietatis melica“ 1653 veröffentlicht worden, etwa 30 stehen im evangelischen Gesangbuch, oft vielstrophig mit 13, 15, 18 Strophen. Die Ausgabe von 1653 enthält auch die Melodien des befreundeten Komponisten Johann Crüger, beide waren als Pfarrer und Kantor an der Berliner Nikolaikirche tätig.
Später hat auch Johann Sebastian Bach häufig Lieder Paul Gerharts in seine Kompositionen aufgenommen, so besonders in seiner Matthäuspassion, in der Gerhardts Lied O Haupt voll Blut und Wunden so etwas wie das zentrale Thema ist.
Lieder zu den Zeiten des Kirchenjahrs
Adventszeit: Wie soll ich dich empfangen
Weihnachten. Ich steh an deiner Krippen hier
Passionszeit: O Haupt voll Blut und Wunden
Pfingsten: Zieh ein zu deinen Toren
Allgemein bekannte Lieder (zum Teil volksliedhaft)
Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
Lobet den Herren, alle, die ihn ehren
Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
Davon Lieder Paul Gerhardts im katholischen Gesangbuch Gotteslob (ö – ökumenisch)
Ich steh an deiner Krippen hier
O Haupt voll Blut und Wunden
Lobet den Herren, alle, die ihn ehren
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerszeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir.
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben. (1. Strophe)
Ich
selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen. (8. Strophe)