Der Kirchenlieddichter
Paul Gerhardt (1607 ‒ 1676)
Paul Gerhardt stammte aus Gräfenhainichen in Kursachsen, nicht weit von Wittenberg. Sein Leben war geprägt durch den Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648 mit dessen Nöten und Wirren, Hungersnot, Seuchen, später auch der Pest, und den Übergriffen von Soldaten. – 1619 starb Paul Gerhardts Vater, 1621 seine Mutter. Auch von seinen vier Kindern starben drei zu seinen Lebzeiten. Gerhardt studierte Theologie in Wittenberg. Schon hier kam es bei Gerhardt zur Ausprägung einer Einheit von Frömmigkeit und Dichtkunst, die später in seine Kirchenlieder einflossen Gerhardt war zeitlebens ein überzeugter Lutheraner. Die zahlreichen Bildnisse von ihm zeigen ihn mit dem geteilten lutherischen Beffchen auf dem schwarzen Talar. Früh schon begann er zu dichten. Die längste Zeit wirkte er in Berlin als Pfarrer an der Nikolaikirche, an der zu gleicher Zeit Johann Crüger Kantor war, als Freund Gerhardts komponierte dieser die Melodien zu Gerhardts Liedern, welche vor allem 1653 in großer Zahl in Crügers Praxis Pietatis Medica - das ist Übung der Gottseligkeit in christlichen und trostreichen Gesängen erschienen. Danach wurde Gerhardt Propst in Mittenwald.. In dieser Zeit verfasste er sein vielleicht bekanntestes Lied, das Passionslied O Haupt voll Blut und Wunden, welches Eingang in die Matthäuspassion Johann Sebastian Bachs fand.
Sonderbriefmarken bringt die Post heraus für besondere Persönlichkeiten und / oder zu besonderen Anlässen. In diesem Fall ist die geehrte Person vielleicht nicht allgemein bekannt – sie wird es aber durch diese Marken. Dadurch geraten in Gottesdiensten oft gesungene Lieder jedoch in Erinnerung. Zwei der Marken hatten zudem Anlässe für die Herausgabe – die eine den 350. Geburtstag, die andere den 350. Todestag.
Kirchenfenster in der Evangelischen Kirche in Heidelberg-Rohrbach (Ausschnitt)
anlässlich seines 350. Todestags im Mai 2026
Orthodoxer lutherischer Theologe (vor allem in Berlin) und Kirchenliederdichter
– während des Dreißigjährigen Krieges, (von vier Kindern starben zu Lebzeiten des Vaters drei) -
Ich steh an deiner Krippen hier –
wenn jemand dieses Lied liest oder gar singen hört, wird er zunächst denken, es ist ein weihnachtliches Kinderlied. Erst wenn man weitere von den neun Strophen liest, wird man erkennen, dass es kein Kinderlied, sondern ein ernstes Kirchenlied ist:
Ich lag in tiefster Todesnacht / du warest meine Sonne, /
die Sonne, die mir zugebracht / Licht, Leben, Freud und Wonne. /
O Sonne, die das werte Licht / des Glaubens in mir zugericht‘ ‚/
wie schön sind deine Strahlen. (3. Strophe )
Etwa 130 Kirchenlieder hat Paul Gerhadt gedichtet, viele davon sind in der 5. Auf-lage von Johann Crügers „Praxis Pietatis melica“ 1653 veröffentlicht worden, etwa 30 stehen im evangelischen Gesangbuch, oft vielstrophig mit 13, 15, 18 Strophen. Die Ausgabe von 1653 enthält auch die Melodien des befreundeten Komponisten Johann Crüger, beide waren als Pfarrer und Kantor an der Berliner Nikolaikirche tätig.
Später hat auch Johann Sebastian Bach häufig Lieder Paul Gerharts in seine Kompositionen aufgenommen, so besonders in seiner Matthäuspassion, in der Gerhardts Lied O Haupt voll Blut und Wunden so etwas wie das zentrale Thema ist.
Lieder zu den Zeiten des Kirchenjahrs
Adventszeit: Wie soll ich dich empfangen
Weihnachten. Ich steh an deiner Krippen hier
Passionszeit: O Haupt voll Blut und Wunden
Pfingsten: Zieh ein zu deinen Toren
Allgemein bekannte Lieder (zum Teil volksliedhaft)
Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
Lobet den Herren, alle, die ihn ehren
Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
Davon Lieder Paul Gerhardts im katholischen Gesangbuch Gotteslob (ö – ökumenisch)
Ich steh an deiner Krippen hier
O Haupt voll Blut und Wunden
Lobet den Herren, alle, die ihn ehren
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerszeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir.
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben. (1. Strophe)
Ich
selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen. (8. Strophe)